ADDIATOR Schriftzug alt
230 - 14.Jan.2002 - 01.Feb.2002

Die Anfänge und

ADDIATOR bis zum 2. Weltkrieg

Von Otto Meuter hatte Carl Kübler Ende 1918 das DRGM 695909 und das zugehörige Funktionsmodell MEUM (s. Bild) gekauft, das eine einfache Konstruktion eines Rechners mit Zahlenschiebern darstellte. 

Erst nach der Patentanmeldung am 24.5.19 stellt er fest, dass es bereits zumindest 2 deutsche Patente gab, die eine solche Rechenmaschine beschrieben (wenn auch nicht mehr schützten). 

Das eingereicht Patent wurde also leicht modifiziert und der Haken-Zehnerübertrag als "hinderlich" und "fehleranfällig" abgetan. Das DRP 367599 wurde erst am 23.1.1923 erteilt.

Der wichtigste Anspruch bezog sich auf  die Doppelseitigkeit: 

Die Addition erfolgte vorne, die Subtraktion auf der Rückseite. 

Damit hatte Kübler eine sichere Trennung der Funktionen erreicht, wobei der Arbeitsablauf immer gleichartig blieb. 

Weitere Details in diesem Patent schützten ihn vor Nachahmern. 
 

MEUM
Ein gewisser Herr Bollee hatte im DRP 82963 am 1.3.1895 (1.10.1895 erteilt) einen Rechner mit Zahlenschiebern beschrieben, der zudem auch schon einen krückstockartig gebogenen Schlitz hatte, mit dessen Hilfe der Zehnerübertrag vorgenommen werden konnte. 
Ein weiteres Patent kam von Chr. Hamann, dem bekannten Erfinder von Rechenmaschinen. Das DRP 242665 lautete auf die Mercedes Bureaumaschinen GmbH, es wurde am 13.4.1911 eingereicht und am 16.1.1912 erteilt. Hamann hatte einen Abdeckschieber schützen lassen, der das Eingabefeld mal für Addition und mal für Subtraktion frei gab. Bekannt wurde der in größeren Mengen produzierte Rechner als "TRICK". 
Aber die Konfrontation mit den verschiedenen Patenten, die man im Laufe der Anmeldung durcharbeiten musste, um eine Abgrenzung zum eigenen Patent zu begründen, ließen Kübler nicht ruhen. Er ließ sich alles schützen, was er verbessert hatte: Die Zahlenschieber, die Deckplatten, das rote Feld für den Überlauf und alles Mögliche im Umfeld; das Patentamt hatte durch ihn wirklich viel Arbeit!

Die Produktion der ersten 5 Jahre

Die "großen Modelle", die von Anfang an bis in die 70er Jahre hinein hergestellt wurden, entsprachen in Größe und in Funktion weitgehend dem patentierten Rechner. Die erste Serie war noch aus Aluminium hergestell und flächendeckend bedruckt mit Farbe ohne Muster.

Recht bald erkannte Carl Kübler die ungenügende Qualität und ließ auf Messing als Material für das Rechnergehäuse umstellen. Vom Farbaufdruck wechselte man zur Farb-Ätzung. Zunächst war auch hier die Füllfläche glatt ohne Muster. Doch bald ging man auf gemusterte Füllflächen über. Mit diesem Modell erfolgte dann auch schon eine gewisse Massenproduktion.


 
Saldomaschine
Vermutlich erstes Serienmodell 
"ADDIATOR SALDO-MASCHINE 
System Kübler-Meuter"

Material: Aluminium bedruckt
Später Messing geätzt (ähnlich)
 

Die Zusammenarbeit mit Herrn Meuter, mit dem Carl Kübler Ende 1918 einen Vertrag geschlossen hatte, währte nicht lange. Inhalt des Vertrags war wohl ein Geldsumme für das Gebrauchsmuster, eine Anstellung und ein bestimmter Anteil an jedem verkauften Rechner (was wegen der einsetzenden Inflation wohl zu Spannungen führte). Da wir die Vertragsbedingungen nicht kennen, bleibt diese Frage offen. Etwa 1920 löste sich Meuter von der Firma Addiator und arbeitete ab dann vermutlich mit Jean Bergmann zusammen (CBR), doch ist da noch einiges unklar.
ADDITOR altes LOGO
Etwa 1922 hatte die Firma sich auch ein Logo zugelegt: Die stilisierten Zahlenschieber in Form kleiner "Männchen", darüber 0-1-0. 

Zu dieser Zeit war bereits abzusehen, dass das Hauptpatent für die ADDIATOR Rechenmaschine nach etlichen Korrekturen auch tatsächlich erteilt werden würde. Man schrieb demnach auch stolz "Patent" auf die Vorderseite des Rechners.

So entwickelte sich allmählich nach einigen optischen Varianten das Serienmodell, das zunächst keinen Namen hatte, dann aber STANDARD genant wurde.

Die Qualität der Rechner war ausgezeichnet, aber die Produktion noch zu aufwändig. Und gelegentlich war es angebracht das Äußere zu wechseln, um dem Kunden Modernität und Fortschritt zu präsentieren. So änderte man erneut das Hintergrundmuster und nahm das später gern benutzte Mäander, das in verschiedenen Varianten bis zum Schluss eingesetzt wurde.

Die ersten 5 Jahre der Firma ADDIATOR war durch nur eine Rechnergröße geprägt. Die Produktion erfolgte (abgesehen von einem kurzen Abstecher nach Oranienburg) in Berlin in verschiedenen angemieteten Standorten und entwickelte sich mit der Zeit recht gut. 
Schon früh stellte ADDIATOR gern auf jeder größeren Messe aus und hatte immer eine Neuigkeit parat. So zeigte man neben den früher erwähnten grossen Modellen auch Rechner für die damals meist komplizierten Währungen in England (Sterling) Ägypten (Elsarie) und Indien (Rupee). In den 30er Jahren folgte dann auch das Modell NEGATIV, die Buchhalter wollten ja schließlich auch negative Bilanzen in den Griff bekommen!

Die mittleren Modelle
 
DUPLEX
Und natürlich musste man sich auch auf neue Kunden einstellen, die nicht so eine "große" Brieftasche hatten. 
So konstruierte man in der 2. Hälfte der 20er Jahre ein kleineres Modell und verkaufte es als PUTTY-ADDIATOR, das später in ADDIATRIX bzw. DUPLEX umbenannt wurde.
Als in den 30er Jahren das große Modell mit negativem Saldo herauskam, folgte auch die TRIPLEX in der DUPLEX-Größe. Natürlich gab es auch Varianten für Währungen, außerdem das Modell ASTRO für Zeit bzw. Winkel.
 
 

DUPLEX
Material Messing geätzt
 

Die Schmalmaschinen

Die Konstruktion der "schmalen" Rechner war bekannt. Sie waren einseitig und hatten oben das Eingabefeld für die Addition und unten konnte man subtrahieren. 

Da die Konkurrenz diese Rechnervariante anbot, musste auch ADDIATOR einen einseitigen Rechner anbieten. 

Man produzierte kurz vor 1930 den RECTAR, dessen Name aber bald in ARITHMA umgeändert wurde.

Bald darauf gab es die Variante UNIVERSAL mit negativem Saldo (entsprechend NEGATIV bzw. TRIPLEX). Auch eine Währungsvariante gab es. 
 
 
 
 
 
 

ARITHMA in Sterling-Ausführung
Material: Messing geätzt 
 

ARITHMA Sterling
Der Eintritt des Sohnes von Carl Kübler, Hans-Wolfgang, ca. 1934 brachte neue Anreize. So kombinierte er einen schmalen einseitigen Rechner mit Zahlenschiebern mit einem handelsüblichen Rechenschieber. Für die Produktion gewann man den bekannten Hersteller von Rechenschiebern, die Firma FABER-CASTELL. Der CASTELL-ADDIATOR war ein guter Erfolg, mit diversen Varianten der Skalen des Rechenschiebers und dem bekannten Holzkern sowie ARITMA oder UNIVERSAL aus Messing, Alu oder Eisen, je nach Geschäftslage. 
Ende der 30er Jahre verschlechterten sich aus den bekannten politischen Gründen die Produktionsbedingungen. Allgemein wurde die gesamte Wirtschaft auf die Produktion kriegswichtiger Teile für die Wehrmacht eingeschworen. ADDIATOR profitierte zunächst noch vom Argument, dass man für den Export arbeite, der ja die dringend benötigten Devisen bringe. Es war aber nicht einfach genügend Material herbei zu schaffen und die Mitarbeiter zu halten, die mehr und mehr in die Rüstungsindustrie beordert wurden.

Hier ist es dem Junior, Hans-Wolfgang, zu verdanken, dass die Firma ihre Selbständigkeit beibehielt und nicht "eingegliedert" wurde. Er schaffte es auch, Aufträge für kriegswichtige Produkte für die Wehrmacht zu erhalten, so dass man selbst im Kriege noch eine - wenn auch geringe und inoffizielle - Rechnerproduktion aufrecht erhalten konnte.
Zum Schutz der Produktion lagerte man auch einen Teil in den Sudetengau aus. Eine Entscheidung, die zwar vor Bombardierung schützte, später aber zum Verlust dieser Zweigstelle führte.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
 
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