ADDIATOR Schriftzug alt
501 - 14.Jan.2002 - 01.Feb.2002

Es geht weiter mit der

Tour durch die Welt der Zahlenschieber

Teil 2: Ab 1900

LOCKE (1901)

Auf Stäben sind Noppen aufgebracht, so daß man sie mit den Fingern verschieben kann. Das Gerät von Locke wurde wohl nur wegen der Verzierungen gekauft, da es weder Zehnerübertrag noch echte Subtraktion besaß. Außerdem war es recht groß. Dieser Rechner wurde kurzzeitig von Bamberger (München) vertrieben. 
(Literatur: Business04, Patent, Soresini77)
 

BAMBERGER (1904)

Die Geräte UNIVERSAL und OMEGA von Julius Bamberger aus München ähneln dem Rechner von Locke ganz erstaunlich, sie haben aber Sichtfenster für das Ergebnis. Die Subtraktion wird mit Komplementzahlen durchgeführt. Der OMEGA ist in einen Kasten eingesetzt und hat zusätzlich Hilfsmittel für die Multiplikation. Die Geräte waren für den mobilen Einsatz wohl zu groß, obwohl die Werbung ein Westentaschenformat versprach. 
(Literatur: Cosmos06)
 

DILWORTH (1904)

Das Gerät hat zwei getrennte Felder für Addition und echte Subtraktion, aber keinen Haken-Zehnerübertrag. Die Werte werden mit dem Stift eingezogen und das Ergebnis erscheint in einer Reihe von Sichtfenstern. Der Rechner von Dilworth stellt eigentlich einen Rückschritt dar. 
(Literatur: Business04)
 

CABROL (1906)

Der Franzose Cabrol beweist, daß Zahlenschieber nicht unbedingt immer gerade sein müssen. Er biegt sie zu einem Kreis, die Zähne nach außen, so daß eine Zahnscheibe daraus entsteht. In 2 gebogenen Schlitzen der Abdeckplatte setzt man den Stift zum Addieren bzw. Subtrahieren an. Der von ihm benutzte Haken-Zehnerübertrag bewegt mit Hilfe des Stiftes die Zahnscheibe der nächst höheren Stelle um den Wert Eins. Statt der Schaulöcher verwendet er einen Pfeil, der die eingestellte Zahl anzeigt. Das Gerät CLABOR hat zwar außerlich eine täuschende Ähnlichkeit mit den bekannten Lineal-Addierern  (Addometer, Baum, Lightning-Calculator usw.), ist letzlich aber eine Adaption eines Rechners mit geraden Zahlenschiebern.
(Literatur: CNAM, Cosmos06)
 

ESPERO (1912)

Auf dem Esperanto-Kongreß in Krakau wird 1912 von einem Unbekannten ein einfacher Rechner mit Zahlenschiebern nur für Addition vorgestellt, der keinen Haken-Zehnerübertrag hat. Die Zähne sind markiert: Greift der Stift zwischen zwei schwarze Zähne, so muß er nach oben gezogen werden, sonst nach unten. Die Vorstellung des Rechners erfolgte wohl nur um zu beweisen, dass Bedienungsanleitungen auch in Esperanto geschrieben werden können. Vielleicht wollte man auch sagen: Die Anleitung in Esperanto ersetzt dutzende anderer Übersetzungen. 
Welch eine schöne Vision! 
(Literatur: Horsburgh14)
 

HAMANN (1912)

Auch Christel Hamann konstruierte einen Zachlenschieber, den er 1912 patentieren ließ. Dieses Patent des genialen Erfinders diverser Rechenmaschinen war wohl nur eine Fingerübung anläßlich der Durchsicht der ganzen Literatur auf diesem Gebiet. Der TRICK enthält von allen beschriebenen Geräten die besten Ideen: 
Stift, Haken-Zehnerübertrag, Ergebnis in nur einem Sichtfenster. Auch er benutzte die Markierung der Zähne auf dem Zahlenschieber, damit man schon beim Ansetzen des Stiftes erkennen kann, ob man nach unten oder oben ziehen muß. Dafür läßt er das Hinweisfeld oberhalb der 9 zur Markierung des Überlaufes fort  (vergl. Perrault und Troncet).
Hamann erkennt die Nachteile der bisherigen Rechner bei der Subtraktion: Perrault und Troncet mit der zweiten Sichtfenster-Reihe und Kummer mit dem Platzbedarf für das zusätzliche Schlitzfeld und die verlängerten Zahlenschieber. Er erfindet den Abdeckschieber, der die Komplementärzahlen für die Subtraktion enthält und den Übertrag umlenkt. Gleichzeitig löst er erstmals die Rückstellung des Rechners zufriedenstellend: Eine Zuglasche bringt alle Zahlenschieber gleichzeitig in Nullstellung. Eine Variante des Gerätes ermöglicht das Rechnen mit der englischen Währung. 
(Literatur: Lenz15, Petzold85, Schranz53)
 

KLATZKO (1913)

Das erste Gerät von Klaczko aus Riega ist mit Zahlenschiebern ausgerüstet, die mit den Fingern verschoben werden. Der Zehnerübertrag fehlt noch, aber das Ergebnis wird in Schaulöchern angezeigt. Die Subtraktion erfolgt in einem eigenen Zahlenfeld. Für den Dezimalpunkt sieht Klaczko einen Kommaschieber vor, wie er bei richtigen Rechenmaschinen üblich ist.
Klaczko hat wohl eingesehen, daß das Gerät nicht brauchbar ist und konstruierte bald darauf einen Rechner mit mechanischem Übertrag. 
(Literatur: Martin25, Pirker62, Schranz53)
 

ZEIS  (1918)

In einem Patent der Firma Zeis wird für Zahlenschieber mit Fingereinstellung eine eigene Lösung für den Übertrag vorgeschlagen: Zwei zusätzliche Reihen von kurzen Schlitzen ermöglichen die Addition bzw. Subtraktion einer Einheit in jeder Dezimalstelle. Damit ist für diesen Rechnertyp eine dem Haken-Zehnerübertrag vergleichbare Lösung geschaffen worden. Natürlich ist diese Anordnung auch für Stückzähler einsetzbar. Das Patent wurde technisch nicht umgesetzt. 
Interessanter Weise ist diese Lösung technisch verwandt mit dem DRGM von Otto Meuter (s. unten), der 1918 statt des Haken-Zehnerübertrages die hier patentierten Kurzschlitze benutzt. Wer hat hier wen überholt? 
Die gleichen Kurzschlitze werden im Hauptpatent von ADDIATOR gezeichnet, es setzte ja auf Meuters DRGM auf.
(Literatur: Patent)
 

MEUTER (1918)

Im Ersten Weltkrieg gelangt Otto Meuter in den Besitz eines Pappmodells, das mit Hilfe zweier Zahlenschieber das Prinzip eines Rechners mit Zahlenschiebern darstellt. 
Es ist gewissermaßen eine Neuerfindung, denn es fehlen fast alle bekannten Merkmale dieser Rechner. Meuter entwickelt ohne Kenntnis der bereits produzierten (!) Geräte (z.B. TRONCET, Guthrie-GEM, TRICK) ein Versuchsmodell, das er MEUM nennt und meldet Ende 1918 ein Gebrauchsmuster an.
Das Modell und das Gebrauchsmuster verkauft er Ende 1918 an Carl Kübler, der daraus den ADDIATOR entwickelt. 
(Literatur: Diestelkamp92/99, Reese95, DRGM)
 
 
 
 

Muster MEUM entspr. DRGM 695909

 

MEUM
 

KÜBLER (1919)

Alle bis zu diesem Zeitpunkt angebotenen Rechner mit Zahlenschiebern und Haken-Zehnerübertrag haben das Manko, daß sie keine wirklich sichere und einfache Anwendung der gemischten Addition und Subtraktion bieten können: Die Handhabung ist zu umständlich und der evtl. nicht ausgeführte Zehnerübertrag der höheren Dezimalstellen bei Mehrfach-Überlauf ist meist nicht erkennbar!
Erst Carl Kübler patentiert nach vielen Versuchen und der Erkenntnis, dass er an Ideen arbeitet, die bereits früher schon realisiert worden waren, zwei wichtige Verbesserungen, die den Masseneinsatz der Rechner mit Zahlenschieber und Haken-Zehnerübertrag ermöglichen. Er trennt die Addition eindeutig von der Subtraktion, indem er das Gerät "knickt": Vorderseite für Plus, Rückseite für Minus. Außerdem markiert er den Überlauf und Unterlauf durch eine rote Warnmarke über der 9 bzw. unter der 0  (Perrault und Troncet hatten ein Leerfeld über der 9). Natürlich enthält sein Gerät auch die anderen Leistungsmerkmale der Vorgänger, so z.B. die sichere Rückstellung (Bügel) und die farbliche Unterscheidung der oberen bzw. unteren Hälfte der Zahlenschieber (Hinweis auf Übertrag).
Kübler erweitert 1922 die bekannte und auch von ihm genutzte Anwendung des Zahlenschieber-Prinzips auf gemischte Zahlenbasen (Zeit, Maße, Gewichte, Währung um eine interessante Idee. Bei Überlauf bewegt der Stift nicht nur die nächst höhere Stelle, sondern auch die darauf folgende (erste Version des "QUANTOTAR"). (Literatur: Diestelkamp92, Patente, Prospekte, Schranz53, div.)
 

BERGMANN (1923)

Die Idee vom automatischen Übertrag, die sich aus Perraults Zeiten gehalten hat, lässt die Erfinder nicht ruhen. Erst Bergmann bringt mit dem CBR einen Rechner mit Übertrag heraus, der über jeweils eine Stelle funktioniert (wie es seinerzeit Perrault auch vorhatte). Die Operation erfolgt mit dem Stift; Addition und Subtraktion sind gemischt durchführbar. Die Rückstellung ist mit Hilfe einer Zuglasche möglich.
Da der Mehrfach-Übertrag unterbleibt bzw. nur bedingt erfolgt, muß der Anwender weiterhin mitdenken. 
Der CBR hatte keinen Erfolg. Von den wenigen übrig gebliebenen Rechnern ist heute wohl keines mehr funktionsfähig. 
Ein Remake ist später der DANADDO. 
(Literatur: Martin25)

Ein weiterer Rechner von Bergmann ist der CORRENTATOR, der eine halbe Abdeckplatte besitzt. Diese Version der Umschaltung von Plus auf Minus erinnert an den TRICK von Hamann, der einen Schieber benutzte, und an die Abdeckplatten von Hüber.

 

TOURNIER  (1924)

Ausgehend von der Konstruktion von Cabrol meldet Tournier ein Patent an, das nebeneinander liegende "Zahnräder" zeigt, die aber nicht durch Koppelelemente verbunden sind. Er verbessert die Stiftführung bei Zehnerübertrag, mit der ein schnelleres Rechnen möglich sein soll. Die Subtraktion löst er wie kurz zuvor Kübler: Die Rückseite des Gerätes enthält Schlitze für den umgekehrten Rechenvorgang. Eine Variante des Gerätes enthält auf einer Seite übereinander liegende Zahlenräder, die aber innerhalb einer Dezimalstelle durch Zahnräder starr verbunden sind. Über die Realisierung des Patents ist nichts bekannt.
(Literatur: Patent)

HÜBER (1928)

Die Patente von Kübler (und später auch Bergmann) schränkten die Nachahmer ein und forderten gerade deshalb den Erfindungsgeist heraus. So konstruierte Hüber eine Abdeckplatte, die an einem Schenkelpaar gedreht werden konnte. Seine Geräte ADISUMA und SALDA ähnelten dem CORRENTATOR von Bergmann. Sie hatten keinen Erfolg, vermutlich waren sie zu umständlich; außerdem fielen sie leicht auseinander. (Literatur: Patent)
 

KÜBLER (ab 30er Jahre)

Carl Kübler mit seiner Frima ADDIATOR meldete laufend neue Patente an. Eine wichtige Erfindung war z.B. der "Negativ-Saldo", der das Rechnen im negativen Zahlenbereich zuläßt. 
Er entwickelte auch mehrere Hilfsmittel für seine Rechner, die die Handhabung und auch die Multiplikation erleichtern sollten. 
Die rote Warnmarke bei Überlauf erhält einen Richtungspfeil. 
Die konstruktive Vereinigung eines Rechners mit Zahlenschiebern und dem altbekannten Rechenschieber bringt Mitte der 30er Jahre den ersten Vierspezies-Taschenrechner CASTELL-ADDIATOR
Der arabische Raum erhält einen eigenen Rechner mit arabischen Schriftzeichen und der Basis 8 in der untersten Stelle. 
Es folgen weitere Modelle für die amerikanischen Längeneinheiten. 
Und als krönenden Abschluß bringt die Firma ADDIATOR in den 60er Jahren für die Computer-Fachleute die Modelle mit der Basis 8 und 16 heraus. 
Eigentlich fehlt nur ein druckendes Modell; die Arbeiten dafür mußten während des Krieges eingestellt werden. (Literatur: Diestelkamp92/99, Patente, Prospekte, div.) 

Literaturliste
 
Zum Anfang Zur Übersicht Erklärung