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520 - 14.Jan.2002 - 01.Feb.2002

Viel Feinde viel Ehr:

ADDIATORs Konkurrenz Deutschland

Der Erfog einer Firma oder eines Produktes hat immer zur Folge, dass sich die Konkurrenten melden. Und da ADDIATOR gute Rechner lieferte, die problemlos funktionierten und einfach herzustellen schienen, dauerte es nicht lange, bis ähnliche Rechner auftauchten. Das machte es der Firma ADDIATOR nicht eben leicht, denn die hohen Entwicklungskosten und gute Qualität mussten sich ja auch irgendwie im Preis niederschlagen.
Andererseits schaut der Kunde zuerst auf den Preis und erst später merkt er, ob er ein "Wegwerfgerät" gekauft hat.
Ein weiteres Problem war die Patent-Situation. Das Prinzip des Rechners mit Zahlenschiebern war nicht mehr geschützt, wohl aber eine Menge von Details. Eine ideale Ausgangssituation für Schutzrechtsprozesse!
 

Hauseigene Konkurrenz

Weiter unten wird einiges über die fremde Konkurrenz erzählt, aber das ist nur ein Teil der Wahrheit!
Wir kennen das auch heute: Fast jede Firma produziert für bestimmte Vertriebswege oder Großabnehmer Sondermodelle, die etwas anders aussehen oder oder einen anderen Namen tragen. 
Bei ADDIATOR sind hier die Rechner für den Zeichengeräte-Grosshändler KLAWUN zu nennen oder die Rechner für MAXIMATOR, die über Vertreter abgegeben wurden. Doch diese Rechner sind eindeutig als ADDIATOR-Varianten identifizierbar.

Es gibt aber auch Rechner aus den 1920er Jahren, die ein ganz anderes Design haben. Hier ist der einseitige alte Rechner ARITHMA (mit dem großen "A") zu nennen. Wer hätte das gedacht? Auch der einseitige Rechner PRO CALCULO hat ein eigenes Assehen, wird aber von ADDIATOR in Anzeigen angeboten. Und weiterhin ist ein Zahlenschieber mit dem Namen ADDI von ADDIATOR hergestellt worden. Sicher gibt es noch weitere Varianten, eine Identifizierung wird aber nicht so einfach sein.

Warum hat ADDIATOR das gemacht? Hauseigene Konkurrenz!? Wenn wir uns die Rechner ansehen, wird uns klar: Die Rechner stellen kein Problem dar! Sie sind relativ primitiv, einseitig und nur für die Addition geeignet. ADDIATOR hat so die Konkurrenz unterboten oder wenigstens dafür gesorgt, dass die Händler bei der eigenen Firma blieben. Falls jemand mit solchem Gerät nicht zufrieden war, konnte man immerhin darauf hinweisen, dass Qualität seinen Preis hat, was man dann auch oft genug und gern tat. 

 

Bergmann - CORRENTATOR und CBR

Jean Bergmann, der Inhaber der "Continentale Büroreform" (CBR), hatte schon lange vor 1920 eine gedruckte Rechentabelle in Buchform, den "Universal Calculator", herausgebracht. 
Er produzierte schon früh, vermutlich ab 1920, die erste einfache Variante des CORRENTATOR, die aber wegen Schutzrechtsverletzungen gerichtlich verboten wurde. Denkbar ist, dass dieser Rechner auf einer Idee von Otto Meuter basierte, der ja zunächst mit und für ADDIATOR gearbeitet, sich von dieser Firma aber bald getrennt hatte und zeitweilig mit Bergmann zusammen arbeitete. Von der Basis her ist eine starke Ähnlichkeit mit dem PRO CALCULO von ADDIATOR festzustellen.
CORRENTATOR klein
Später hat Bergmann noch einige Verbesserung für Zahlenschieber, Etuis usw. schützen lassen. Der CORRENTATOR wurde technisch verändert und durfte dann auch regulär verkauft werden. 
Er hatte für die Umschaltung von "Plus" auf "Minus" eine Abdeckklappe, die bei Bedarf umgelegt werden musste. Die Grundkonstruktion war damit erheblich einfacher als bei den Rechnern von ADDIATOR.

Den CORRENTATOR gab es in einer kleinen und großen Variante. 
 
 

CORRENTATOR (klein) mit Umschaltklappe
Material: Messing
 

 
Außerdem setzte Bergmann in einigen Rechentabellen "Universal Calculator" im rückseitigen Deckel einen kleinen Correntator ein, wie es später auch Addiator im Tabellenbuch "Multi Divi" tat.

Als Weiterentwicklung brachte Bergmann den CBR heraus, der den Übertrag über eine Stelle ermöglichte, er hatte also keinen gebogenen, sondern nur den geraden Schlitz zur Führung des Stiftes. Diese Konstruktion hatte innen für jede Stelle ein Zahnrad und die Schieber hatten je eine Zahnstange, so dass man durchaus von einer "Maschine" sprechen konnte. Folgerichtig ist dieser Rechner ein Verbindungsglied zwischen den "Zahlenschiebern" und "Rechenmaschinen". Martin hat konsequenterweise den CBR (als einzigen dieser Art) in sein Buch "Die Rechenmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte" aufgenommen. 

Mit dem CBR hatte Bergmann kein Glück, da die Konstruktion unbrauchbar war: Der Mehrfach-Überlauf klappte nicht richtig und die Zahnräder aus Zinkspritzguss zerbrachen. Die heute bekannten CBR sind meines Wissens alle zusätzlich von der Zinkpest befallen, so dass es wohl keine richtig funktionsfähiges Exemplar mehr gibt.
Jean Bergmann hat als Jude etwa 1936 Deutschland verlassen. Mit ist nicht bekannt, ob er in die Schweiz ging, ich vermute es aber. Jedenfalls sind nach dem Kriege Lizenzbauten des kleinen und großen Correntator herausgekommen, die in der Schweiz unter dem Namen UNICAL gefertigt wurden. Der Name UNICAL ist wohl die Verkürzung des Namens UNIVERSAL-CALCULATOR.

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