ADDIATOR Schriftzug alt
540 - 14.Jan.2002 - 01.Feb.2002

Familieneigene Konkurrenz:

Die Firma ADDIMULT

Gelegentlich stellt ein Sammler von Rechenmaschinen fest, dass Zahlenschieber der Firma ADDIAMULT eine starke Ähnlichkeit oder sogar Baugleichheit mit Rechnern der Firma ADDIATOR haben. Der Schein trügt nicht, da die ersten Rechner von ADDIMULT Ende der 40er und in den 50er Jahren mit einem Werkzeug hergestellt wurden, das eigentlich der Firma ADDIATOR gehörte. Wie kam das?
Hans-Wolfgang Kübler, Sohn des Firmengründers Carl Kübler, hatte in den 30er Jahren in der Firma ADDIATOR seines Vaters mitgearbeitet. Im Kriege, kurz vor dem Zusammenbruch, gelang es ihm, neue Werkzeuge zur Produktion der ADDIATOR-Rechner in die Schweiz zu retten. Er baute in Liechtenstein ca. 1946 eine kleine Produktion von Rechnern auf, die er zunächst unter dem Namen ADDIATOR (Customs Territory of Swizerland) herausbrachte, dann aber als ADDIMULT
Allerdings verließ er die Liechtenstein und die Schweiz bereits nach kurzer Zeit. Über Schweden und Südamerika kam er Ende der 40er Jahre nach Berlin zurück. Da er hier nicht die Firma ADDIATOR übernehmen konnte, leitete er ab 1949 die neu aufgebaute Zweigstelle in Bad Harzburg
Zunächst schien Hans-Wolfgang die ADDIATOR-Zweigstelle auch korrekt zu führen, bis sich herausstellte, daß er sie Anfang 1950 über Nacht in ADDIMULT umbenannt hatte. Er schrieb entsprechend der dort vorliegenden Kundenkartei alle Kunden an und stellte sich vor nach dem Motto: „ADDIATOR jetzt auch von ADDIMULT“. Tatsächlich wurde dort auch einiges an Rechnern bestellt, da die Verbindung nach Berlin noch sehr problematisch war und der Name Kübler für gute Qualität bürgte.

So war also unversehens ein Brückenkopf im Westen in eine Konkurrenz umgewandelt worden. 
Der Familienkrach war vorprogrammiert, mit Prozess und Theater, doch war daran nichts mehr zu ändern.
Hans-Wolfgang baute eine ADDIMULT-Produktpalette auf, die sich zunächst sehr stark an die Modelle von ADDIATOR anlehnte. Nicht nur die Größe und das Design stimmten überein, auch die Materialien und Varianten. 

 
ADDIMULT-SUMAX Sterling
ADDIMULT-Sumax (Sterling-Variante):: 
Anf. 50er Jahre, Bad Harzburg, in 
DUPLEX-Größe und 
ADDIATOR-Design 
Doch als "Zweiter am Markt" musste sich ADDIMULT vom Konkurrenten abheben. Das galt nicht nur für den Preis, sondern auch im Aussehen. So wandelte sich ca. Mitte der 50er Jahre das Grundmuster. Man stellte auf ALU um und fand bald das "ADDIMULT-Design", denn die neuen Rechner konnte man schon auf den ersten Blick identifizieren. 
Die Firma ADDIMULT wurde von 1958 bis 1960 allmählich in den Schwarzwald nach Donaueschingen verlegt (Produktion in Hüfingen und später Bräunlingen, nahe Donaueschingen)
Trotz aller Spannungen kam es immer wieder zu Kontakten zwischen den beiden Firmen bzw. Geschwistern. Mal wurden Rechenschieber, die ADDIMULT in Japan bestellt hatte, in die Liste von ADDIATOR übernommen. Oder man importierte in den 70ern auch mal gemeinsam elektronische Taschenrechner aus Fernost, weil der Preis dadurch gedrückt werden konnte.

Nebenher vertrieb ADDIMULT schon in den 50er Jahren auch Rechner aus fremder Produktion. Die Palette reichte von logarithmischen Scheiben bis hin zur elektrisch betriebenen Addiermaschine. Nebenbei versuchte man sich auch im Vertrieb einer elektrischen Bleistiftspitzmaschine.

Mit dem Aufkommen der elektronischen Taschenrechner Anfang der 70er Jahre war endgültig Schluß mit den mechanischen Rechnern. Etwa Ende 1973 stellte ADDIMULT die Produktion der mechanischen Addierer endgültig ein, gerade früh genug, um nicht auf einer ganzen Produktion sitzen zu bleiben!
So stellte man schon parallel zur Rechnerproduktion und recht erfolgreich ganz auf orthopädische Geräte um. Nach dem Tode von Hans-Wolfgang Kübler im Oktober 1987 führte seine 2. Frau die Firma zunächst noch weiter, verkaufte sie aber in den 90er Jahren an einen Mitarbeiter, der sie auch noch 2001 unter dem alten Namen ADDIMULT führte.
 
Noch einige Hinweise:

Der Name ADDIMULT und einige der Rechnerbezeichnungen waren ursprünglich im Besitz der Firma ADDIATOR, sie wurden aber unter stillschweigender Duldung von ADDIMULT benutzt.
Ein großer Teil der Rechner wurde im Kundenauftrag hergestellt Es ist also nicht immer gleich zu erkennen, dass sie von ADDIMULT stammen.
Die beiden Geschwister Margot und Hans-Wolfgang haben sich in späteren Jahren wieder einigermaßen gut verstanden, besonders, als die Produktion der mechanischen Rechner weitgehend eingestellt worden war. 

Tabelle: Eigene mechanische Rechner der Firma ADDIMULT

Name Bemerkung Zeit ca.
ADDIFIX  ab 50er
ADDMASTER Sterling-Variante ab 50er
ADDMASTER-Baby Sterling-Variante ab 50er
ADDMASTER-Junior Sterling-Variante ab 50er
DUPLEX Made in Customs Territory of Swizerland 40er
FAVORIT 60/70er?
PERFECT POCKET ADDER 60/70er?
RITZ Pocket Calculator 60/70er?
ROLLS RECORD 60/70er?
RUPEE Indische Währung 50er
SALDOFIX Für Klawun 50er
SALDOR ab 50er
SEARS 60/70er?
SUMAT ab 50er
SUMAX Dezimale Variante ab 50er
SUMAX Sterling-Variante 50er
SUMAX-E  ab 50er
SUMAX-S ab 50er
SUMMATOR ab 50er
SUMMATOR S ab 50er
SUPRA Made in C. T. of Swizerland 40er
TOWER 60/70er?

Tabelle: Von ADDIMULT vertriebene Rechner

Name Bemerkung Zeit ca.
Addi-S Zählrad-Addierer, Hand 60er
Automat Rechenmaschine 60er
Multor Logar. Rechenscheibe 9 cm bzw. 18 cm, Alu 60/70er
Multor Logar. Rechner, ähnl. Metermaß (?) ?
Primat Addiermaschine, Hand 60er
Procentor  Logar. Rechenscheibe 9 cm bzw. 18 cm, Kunststoff 60er?
Saldi Addiermaschine Hand bzw. elektrisch, Druck 60er
Ziffrex Addiermaschine (von Inzadi?) 50er
(ohne) Logar. Rechenschieber, klein bzw. groß, Kunststoff, farbig 60er

 
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